Ein ziehender Schmerz in der Leiste, der bei Schuss- und Passbewegungen beim Fußball auftritt, beim Antritt im Sprint spürbar wird, bei Richtungswechseln im Eishockey oder Handball verstärkt zurückkommt. Ein Beschwerdebild, das trotz Trainingsreduktion nicht klar besser wird, dann und wann sportfrei überstanden, aber bei jedem intensiveren Trainingsblock wiederkehrt. Für Sportlerinnen und Sportler aus Perchtoldsdorf, Mödling und Wien ist die Adduktoren-Tendinopathie eine der häufigsten Ursachen chronischer Leistenbeschwerden. Sie überlappt sich klinisch mit anderen Krankheitsbildern wie dem femoroacetabulären Impingement, mit der Sportlerleiste und mit Pathologien des Symphysenbereichs, was die Diagnose anspruchsvoll macht.
Was Adduktoren-Tendinopathie anatomisch bedeutet
Die Adduktoren des Oberschenkels sind eine Muskelgruppe, die vom Schambein zum Oberschenkelknochen zieht und den Oberschenkel zur Körpermitte hin führt. Beteiligt sind primär der Musculus adductor longus, brevis und magnus, ergänzt durch den Musculus gracilis und den Musculus pectineus. Der Musculus adductor longus ist mit Abstand am häufigsten von Tendinopathien betroffen, was mit seiner biomechanischen Beanspruchung bei Sprint- und Schussbelastungen zusammenhängt.
Bei wiederholter Überlastung entwickelt sich am Ansatz des Musculus adductor longus am Schambein eine Tendinopathie mit ungeordneter Kollagenstruktur, reduzierter Mikrozirkulation und Einsprossung schmerzsensitiver Nervenfasern. Der klinisch klassische Befund ist ein umschriebener Druckschmerz am Adduktorenursprung und ein Belastungsschmerz bei bestimmten Bewegungsmustern.
Die Sportlerleiste als komplexeres Krankheitsbild
Die Sportlerleiste ist ein umfassenderer Sammelbegriff für chronische Leistenschmerzen bei Sportlerinnen und Sportlern. Sie umfasst mehrere pathologische Komponenten, die häufig gemeinsam vorliegen. Die Adduktoren-Tendinopathie ist eine davon. Weitere Komponenten können die Insertionstendinopathie der Bauchmuskulatur am Schambein, die Symphysitis (Reizung des Schambeingelenks), die Insuffizienz der Bauchwandmuskulatur im Bereich des inneren Leistenrings und Reizungen des Nervus ilioinguinalis oder des Nervus obturatorius sein.
Die klinische Herausforderung liegt in der differenzierten Zuordnung. Ein Leistenschmerz beim Sportler kann rein muskulär bedingt sein, kann eine echte Sportlerleiste mit Bauchwandbeteiligung sein, kann von der Hüfte selbst durch ein femoroacetabuläres Impingement kommen oder auch von der Wirbelsäule durch eine Nervenreizung ausgehen. Die richtige Diagnose entscheidet über die richtige Therapie.
Klinische Präsentation
Die typischen Beschwerden umfassen Leistenschmerzen, die bei Schuss-, Sprint- und Richtungswechselbelastungen zunehmen, Druckschmerz am Adduktorenursprung am Schambein, positive Provokation beim isometrischen Adduktionstest, ein Anlaufschmerz nach längeren Ruhephasen und in fortgeschrittenen Fällen eine Beeinträchtigung bereits im Alltag. Bei ausgeprägten Verläufen kommen Ausstrahlungen in die Innenseite des Oberschenkels dazu.
Klinisch differenzieren wir mit spezifischen Provokationstests. Der isometrische Adduktionstest gegen Widerstand mit dem Fuß in Neutralposition prüft den Musculus adductor longus. Der Squeeze-Test misst die Kraft der Adduktion beidseits. Palpation an definierten anatomischen Punkten identifiziert die Schmerzquelle. Der hochauflösende Ultraschall stellt den Adduktorenansatz dar und zeigt Veränderungen der Sehnenstruktur, begleitende Bursaflüssigkeiten oder Insertionsverkalkungen. Bei komplexen Verläufen ergänzen wir MRT.
Warum manche Standardtherapie enttäuscht
Der klassische Weg mit Trainingspause, entzündungshemmenden Medikamenten und lokaler Massage adressiert die akute Symptomatik, aber nicht die zugrunde liegende tendinopathische Sehnenveränderung. Bei kompletter Pause bessern sich die Beschwerden häufig, kommen aber bei Wiedereinstieg in den Sport zurück. Kortisoninjektionen am Adduktorenursprung sind aus Sehnenschutzgründen problematisch und werden in der modernen Sportmedizin sehr zurückhaltend gesehen. Eine reine physiotherapeutische Massagebehandlung ohne progressives Krafttrainingsprogramm greift zu kurz.
Der wirksame Weg kombiniert regenerative Modalitäten mit strukturiertem Krafttraining, das die Sehnenbelastbarkeit systematisch aufbaut.
Der Behandlungspfad an der SportPraxis Austria
Präzise Diagnostik und Differenzialdiagnose
Wir beginnen mit strukturierter Anamnese der sportlichen Belastungsgeschichte, der aktuellen Symptomatik und der bisherigen Therapieversuche. Die klinische Untersuchung differenziert systematisch zwischen den möglichen Ursachen der Leistenschmerzen. Provokationstests für Adduktoren, Iliopsoas, Bauchmuskulatur und Hüftgelenk klären den Schmerzgenerator. Der hochauflösende Ultraschall dokumentiert die Sehnenstruktur, bei Bedarf ergänzen wir MRT und bei Verdacht auf FAI oder intraartikuläre Pathologien die MRT-Arthrographie der Hüfte.
Fokussierte Stoßwellentherapie am Adduktorenansatz
Für die etablierte Adduktoren-Tendinopathie ist die fokussierte Stoßwellentherapie das zentrale regenerative Werkzeug. Sie wird gezielt am Sehnenansatz appliziert, stimuliert die Neovaskularisation im geschädigten Sehnengewebe, moduliert die pathologische Schmerzfasereinsprossung und stößt biologische Regenerationsprozesse an. Eine Behandlungsserie umfasst typischerweise drei bis fünf Sitzungen im Wochenabstand. Regionale Informationen unter Innovative Stoßwellentherapie in Wien.
EMTT an der Leiste
Insbesondere die EMTT kann durch Ihre Eindringtiefe von 18cm sehr zielführend bei Leistenbeschwerden allein oder in Ergänzung zur ESWT zum Einsatz kommen. Am Schambein sind bei der Osteiitis pubis bereits erfolgreiche Studien zum Einsatz der EMTT gezeigt und veröffentlicht.
Copenhagen Adduction Protocol und progressives Krafttraining
Der entscheidende funktionelle Baustein ist ein strukturiertes Krafttrainingsprogramm mit dem Copenhagen Adduction Exercise als Kernübung. Studien belegen für dieses spezifische Programm eine deutliche Reduktion der Leistenverletzungsrate und eine Verbesserung der Adduktionskraft bei Fußballerinnen und Fußballern. Die Übung ist einfach umsetzbar und wird über acht bis zwölf Wochen mit progressiver Belastungssteigerung integriert. Ergänzend arbeiten wir an der Rumpf- und Glutealmuskulatur, an der Hüftbeweglichkeit und an der neuromuskulären Kontrolle der gesamten Beinachse.
Belastungssteuerung und Return-to-Sport
Wir passen die Trainingsbelastung individuell an. Volumen und Intensität werden zunächst reduziert, schmerzauslösende Bewegungen wie explosive Schüsse temporär vermieden. Der Wiedereinstieg erfolgt strukturiert mit progressiven Belastungsstufen und funktionellen Tests. Erst wenn schmerzfreie sportartspezifische Belastungen möglich sind, geben wir das freie Training frei. Details zur sportmedizinischen Betreuung unter Sportverletzungstherapie in Wien.
Wer besonders profitiert
Vom sportmedizinischen Ansatz profitieren Fußballerinnen und Fußballer, Eishockey- und Handballspielerinnen und -spieler, Sprinterinnen und Sprinter, Kampfsportlerinnen und Kampfsportler und alle Athletinnen und Athleten mit chronischem Leistenschmerz und Verdacht auf Adduktoren-Tendinopathie. Auch Freizeitsportlerinnen und -sportler mit hoher wöchentlicher Belastung und rezidivierenden Leistenbeschwerden profitieren.
Wann Sie nicht warten sollten
Bei akutem stechendem Leistenschmerz mit Kraftverlust, bei tastbaren Delle im Muskelbauch, bei begleitender Schwellung oder Hämatombildung und bei Verdacht auf akute Muskelruptur ist die zeitnahe sportmedizinische Untersuchung indiziert.
Praxis in Perchtoldsdorf, gut erreichbar aus Wien
Die SportPraxis Austria in der Alfred-Merz-Gasse 9 in 2380 Perchtoldsdorf ist rund 200 m von der S-Bahn-Station entfernt und aus Wien-Liesing, Meidling, Mödling, Brunn am Gebirge, Wiener Neudorf und Breitenfurt in wenigen Minuten erreichbar. Mehr zu Prof. Dr. Karsten Knobloch unter Vita. Adresse und Öffnungszeiten unter Standort und Kontakt.
Termin online vereinbaren
Wenn Sie chronische Leistenbeschwerden haben und einen strukturierten regenerativen und funktionellen Behandlungsplan möchten, vereinbaren Sie Ihren Termin bei Prof. Dr. Karsten Knobloch direkt online:
Häufige Fragen zur Adduktoren-Tendinopathie
Wie unterscheide ich Adduktoren-Tendinopathie von einem femoroacetabulären Impingement?
Die Adduktoren-Tendinopathie zeigt umschriebenen Druckschmerz am Adduktorenursprung und positive Provokation beim Adduktionstest. Das FAI zeigt Leistenschmerz bei Beugung und Innenrotation und positiven FADIR-Test. Beide können gemeinsam vorliegen und werden durch strukturierte klinische Untersuchung und Bildgebung differenziert.
Wie lange dauert die Behandlung?
Ein strukturiertes Programm läuft über acht bis zwölf Wochen mit progressiver Belastungssteigerung, kombiniert mit Stoßwellenserie in den ersten Wochen. Erste spürbare Verbesserungen häufig nach vier bis sechs Wochen, volle Belastbarkeit meist nach drei Monaten.
Kann ich weiter Fußball spielen?
Meist mit angepasstem Volumen und temporär reduzierter Schussintensität. Komplette Sportpausen sind selten nötig. Wir passen den Plan individuell an Ihre Sportart und Belastungsziele an.
Was ist das Copenhagen Adduction Exercise?
Eine spezifische seitliche Stützübung mit Fixierung des oberen Beins durch einen Partner oder eine Bank, bei der die Adduktoren exzentrisch und konzentrisch belastet werden. Studien belegen die Wirksamkeit bei Verletzungsprophylaxe und Rehabilitation im Fußball und bei anderen Sprintsportarten.

