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09/28/2026

Arthrose in den Fingern: Heberden, Bouchard oder Rhizarthrose?

Arthrose in den Fingern tritt fast immer an drei typischen Stellen auf: an den Fingerendgelenken (Heberden-Arthrose), an den Fingermittelgelenken (Bouchard-Arthrose) und am Daumensattelgelenk (Rhizarthrose). Welches Gelenk betroffen ist, entscheidet über Beschwerdebild, Verlauf und Behandlung. Die Fingergrundgelenke sind dagegen untypisch für eine gewöhnliche Arthrose. Sind sie betroffen, sollte nach anderen Ursachen gesucht werden.

Warum Arthrose die Finger so häufig betrifft

Die Handarthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen überhaupt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen, die Beschwerden beginnen oft um die Wechseljahre, und die Veranlagung liegt in vielen Familien. Anders als am Knie spielen Übergewicht und Überlastung eine geringere Rolle. Oft sind mehrere Gelenke an beiden Händen betroffen, dann spricht man von Fingerpolyarthrose.

Im Gelenk wird der Knorpel dünner, der Knochen reagiert mit Randanbauten (Osteophyten), und die Gelenkinnenhaut kann sich phasenweise entzünden. Diese Entzündungsschübe erklären, warum Fingerarthrose nicht gleichmäßig verläuft, sondern oft in Phasen mit Schwellung und Schmerz, gefolgt von ruhigeren Abschnitten.

Heberden-Arthrose: die Fingerendgelenke

Die Heberden-Arthrose betrifft die Gelenke direkt unter dem Nagel. Typisch sind harte Knoten auf der Streckseite, anfangs oft gerötet und druckempfindlich, später meist schmerzarm, aber sichtbar. Die Finger können leicht seitlich abknicken. Neben dem Nagel können sich kleine Gallertzysten bilden (Mukoidzysten). Welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zur Heberden-Arthrose.

Bouchard-Arthrose: die Fingermittelgelenke

Die Bouchard-Arthrose betrifft die mittleren Fingergelenke. Die Knoten sind meist weniger auffällig als Heberden-Knoten, dafür schränkt diese Form die Faustbildung und den Griff stärker ein, weil die Mittelgelenke für die Beugung der Finger besonders wichtig sind. Viele Betroffene haben gleichzeitig Heberden- und Bouchard-Knoten. Eine Schwellung der Mittelgelenke ist allerdings auch ein typisches Zeichen der rheumatoiden Arthritis, deshalb ist die Abgrenzung hier besonders wichtig.

Rhizarthrose: das Daumensattelgelenk

Die Rhizarthrose sitzt an der Daumenbasis, am Übergang von Daumen und Handgelenk. Sie macht sich durch Schmerzen beim Greifen und Drehen bemerkbar, etwa beim Öffnen von Schraubverschlüssen, Schlüsseldrehen oder Auswringen. Mit der Zeit kann die Daumenbasis hervortreten, und der Daumen verliert an Kraft beim Spitzgriff. Weil der Daumen an fast jedem Griff beteiligt ist, schränkt die Rhizarthrose den Alltag oft mehr ein als Arthrose an den anderen Fingern.

Warnhinweis Fingergrundgelenke

Die Grundgelenke, also die Knöchel beim Faustschluss, sind bei der gewöhnlichen Arthrose kaum betroffen. Zeigt sich hier eine Arthrose, besonders am Zeige- und Mittelfinger, sollte an eine Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) gedacht werden, die sich über Blutwerte erkennen lässt. Schwellungen der Grundgelenke zusammen mit langer Morgensteifigkeit sprechen eher für eine rheumatoide Arthritis.

Arthrose oder Rheuma? Die wichtigsten Unterschiede

MerkmalFingerarthroseRheumatoide Arthritis
Typische GelenkeEndgelenke, Mittelgelenke, DaumensattelgelenkGrundgelenke, Mittelgelenke, Handgelenke
Morgensteifigkeitkurz, meist unter 30 Minutenlang, oft über 60 Minuten
Schwellunghart, knöchern, phasenweise entzündlichweich, teigig, symmetrisch
Blutwertemeist unauffälligEntzündungswerte und Rheumafaktoren oft erhöht

Eine weitere Form ist die erosive Fingerpolyarthrose. Sie verläuft besonders entzündlich, mit plötzlichen Schüben, und zeigt im Röntgenbild typische Gelenkzerstörungen. Auch eine Psoriasis-Arthritis kann gezielt die Endgelenke befallen.

Diagnostik: was nötig ist und was verzichtbar

Die Kombination aus Untersuchung und Röntgenbild der Hände reicht in den meisten Fällen für die Diagnose. Ein hochauflösender Ultraschall zeigt zusätzlich, ob gerade eine Entzündung der Gelenkinnenhaut oder ein Erguss vorliegt, und hilft bei der Einordnung, ob ein Schub vorliegt. Blutuntersuchungen sind sinnvoll, wenn die Verteilung der Gelenke, die Dauer der Morgensteifigkeit oder die Schwellung an eine entzündlich-rheumatische Erkrankung oder eine Hämochromatose denken lassen. Eine MRT ist bei typischer Fingerarthrose nicht erforderlich.

Was bei Fingerarthrose hilft

Die europäischen Empfehlungen zur Handarthrose (Kloppenburg et al., EULAR 2018) und die aktualisierte Studienübersicht von 2025 (Kjeken et al.) beschreiben einen gestuften Weg.

Basis für alle Formen: Information über die Erkrankung, gelenkschonende Griffarten, Hilfsmittel im Alltag (dickere Griffe, Öffnungshilfen) und regelmäßige Handübungen. Übungen verbessern Schmerz, Funktion und Steifigkeit moderat, aber verlässlich (Østerås et al., Cochrane 2017).

Schienen: Besonders bei der Rhizarthrose empfohlen. Eine Daumenorthese stabilisiert das Sattelgelenk, lindert Schmerzen und kann nachts oder bei belastenden Tätigkeiten getragen werden.

Medikamente: Entzündungshemmende Gele als erste Wahl, Tabletten nur kurzzeitig und unter Beachtung von Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System. Eine Kortisoninjektion kann bei einem akut entzündeten Fingergelenk im Einzelfall erwogen werden.

Stoßwellentherapie: Für die Rhizarthrose liegen Daten vor. In seiner Übersichtsarbeit zur ESWT in der Handchirurgie fasst Prof. Knobloch zusammen, dass drei Sitzungen fokussierter ESWT am Daumensattelgelenk in einer Vergleichsstudie einer Hyaluronsäureinjektion ins Gelenk klinisch gleichwertig waren, mit besseren Ergebnissen nach sechs Monaten (Knobloch, Orthopädie 2026). Eine weitere prospektive Studie verglich ESWT mit einem Übungsprogramm bei Daumenarthrose (Covelli et al. 2024). Für die End- und Mittelgelenke der Finger fehlen vergleichbare Studien, hier ist die Stoßwellentherapie allenfalls ein individueller Therapieversuch. Mehr dazu im Beitrag ESWT in der Handchirurgie.

EMTT: Die EMTT ist ein idealer Partner zur ESWT oder auch als Alleintherapie. Insbesondere wenn mehrere Fingergelenke betroffen sind spielt die EMTT Ihren Vorteil aus, da im Unterschied zur ESWT jedes Gelenk parallel in der Magnetspule behandelt werden kann und dies auch beidhändig.

Operation: Wenn konservative Maßnahmen über Monate nicht ausreichen und der Alltag deutlich eingeschränkt ist. Bei der Rhizarthrose wird häufig das große Vieleckbein entfernt und der Daumen mit einer Sehnenplastik stabilisiert, alternativ kommen Prothesen infrage. An den Endgelenken ist die Versteifung in funktionell günstiger Stellung der Standard, an den Mittelgelenken kann ein Gelenkersatz erwogen werden.

Grenzen der Behandlung

Keine der genannten Behandlungen baut Knorpel wieder auf oder lässt knöcherne Knoten verschwinden. Ziel ist, Schmerzen zu lindern, Entzündungsschübe abzukürzen und die Funktion der Hand zu erhalten. Für Nahrungsergänzungsmittel ist die Studienlage bei der Handarthrose schwach und uneinheitlich, einen Ersatz für Übungen und Gelenkschutz bieten sie nicht.

Wann Sie zeitnah ärztlichen Rat suchen sollten

  • plötzlich stark gerötetes, überwärmtes und sehr schmerzhaftes Fingergelenk
  • Schwellung der Fingergrundgelenke oder der Handgelenke
  • Morgensteifigkeit länger als eine Stunde
  • Fieber, Hautausschlag oder Nagelveränderungen zusammen mit Gelenkbeschwerden
  • deutlicher Kraftverlust oder Taubheit in den Fingern

Handchirurgische Abklärung in der SportPraxis Austria

Prof. Knobloch ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie und hat die Stoßwellentherapie an der Hand in Fachbüchern und aktuellen Übersichtsarbeiten aufgearbeitet. In der SportPraxis Austria in Perchtoldsdorf werden die Fingergelenke klinisch und im Ultraschall untersucht, die Form der Arthrose eingeordnet und entzündliche Ursachen abgegrenzt. Daraus entsteht ein Behandlungsplan, der zur betroffenen Gelenkgruppe passt. Informationen zur Anreise finden Sie unter Standort und Kontakt.

Häufige Fragen

Was hilft schnell bei schmerzenden Fingergelenken?

Kurzfristig lindern Kälte bei akuter Entzündung, Wärme bei Steifigkeit, ein entzündungshemmendes Gel und das Vermeiden von kräftigen Spitzgriffen. Bei der Rhizarthrose bringt eine Daumenschiene oft rasch Entlastung.

Ist Fingerarthrose vererbbar?

Die Veranlagung ist zu einem erheblichen Teil erblich. Wenn Mutter oder Großmutter Knoten an den Fingern hatten, ist das eigene Risiko erhöht.

Kann Arthrose in den Fingern stillstehen?

Ja. Viele Verläufe beruhigen sich nach einigen Jahren. Die Gelenke bleiben verändert, schmerzen aber oft deutlich weniger als in der aktiven Phase.

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