Ein hartnäckiger, oft dumpf-ziehender Schmerz an der ulnaren Handfläche, der sich beim Greifen, Aufstützen oder bei Schlägen über den Schlägergriff (Golf, Tennis, Hockey) deutlich verstärkt – und der trotz Schonung über Wochen bis Monate nicht abklingt. Hinter diesem Bild kann eine seltene, aber klinisch sehr relevante Diagnose stehen: die Pseudarthrose des Hamulus ossis hamati, also der knöcherne Nichtheilungszustand am Haken des Hakenbeins. Patientinnen und Patienten kommen häufig erst nach längeren Diagnosewegen zu uns. Die gute Nachricht: Auch hier hat sich die kombinierte regenerative Therapie aus fokussierter hochenergetischer ESWT und EMTT als wirksame Option etabliert.
Was anatomisch passiert
Der Hamulus ossis hamati ist eine kleine knöcherne Erhebung am Hakenbein der ulnaren Handwurzelreihe. Er dient als Umlenk- und Ansatzpunkt für mehrere Sehnen und Bandstrukturen, befindet sich anatomisch in unmittelbarer Nähe zum Nervus ulnaris (Guyon-Loge) und ist hohen Schubkräften ausgesetzt. Verletzungen treten klassisch nach Stürzen mit Aufstützen der Hand, nach wiederholten Mikrotraumata bei Schlagsportarten oder bei Bagatell-Traumata mit unzureichender Initialdiagnostik auf. Die Fraktur des Hamulus wird auf konventionellen Röntgenbildern leicht übersehen – sie zeigt sich oft erst in CT- oder MRT-Aufnahmen.
Bleibt die Fraktur unbehandelt oder heilt sie aufgrund der ungünstigen Durchblutungsverhältnisse nicht aus, entsteht eine Pseudarthrose mit chronischem Belastungsschmerz. Komplikationen umfassen die irritative Reizung des Nervus ulnaris und – seltener – Rupturen der angrenzenden Beugesehnen.
Warum die Operation nicht immer die erste Wahl ist
Klassisch wird die symptomatische Hamulus-Pseudarthrose chirurgisch versorgt – durch Exzision des Hamulus oder durch operative Refixation und Spongiosaplastik. Beide Verfahren sind etabliert und haben ihren Stellenwert, aber jeder offene Eingriff in dieser anatomisch heiklen Region birgt Risiken (Nervus-ulnaris-Schädigung, Funktionsverlust angrenzender Strukturen). Eine nicht-invasive, regenerative Alternative ist deshalb hoch willkommen – und die Studienlage spricht für sie.
Was die Kombination ESWT plus EMTT leisten kann
Aus dem aktuellen Übersichtspaper von Prof. Knobloch in „Die Orthopädie“ (2026) zur ESWT in der Handchirurgie geht hervor, dass bei der seltenen Pseudarthrose des Hamulus ossis hamati die Kombination aus fokussierter ESWT und EMTT hochwirksam zur raschen knöchernen Konsolidierung führen kann – in dokumentierten Verläufen innerhalb von rund sechs Wochen. Im Bildbeispiel des Papers wird ein Patient (rechtsdominante Hand, Kieferchirurg, Sturz vom Fahrrad) mit dreidimensionaler CT-Verlaufsbildgebung vor und sechs Wochen nach fünf Sitzungen kombinierter ESWT/EMTT vorgestellt – mit deutlich erkennbarer knöcherner Konsolidierung.
Dieser dokumentierte Verlauf reiht sich in eine breitere Evidenzbasis zur ESWT bei Knochenheilungsstörungen ein, die seit 30 Jahren mit der italienischen Arbeitsgruppe um Sergio Russo begonnen wurde und sich auch in der Behandlung der Kahnbein-Pseudarthrose und der Mondbeinnekrose (siehe unseren Beitrag zu Morbus Kienböck / Lunatummalazie) etabliert hat.
Der Therapieablauf an der SportPraxis Austria
Diagnostik
Bei Verdacht auf Hamulus-Pseudarthrose erfolgt die genaue klinische Untersuchung mit Provokationstests, ergänzt durch hochauflösenden Ultraschall und – wegen der dreidimensionalen knöchernen Struktur – idealerweise eine 3D-volumentomographische oder CT-Bildgebung. Begleitende Befunde wie eine Nervus-ulnaris-Reizung werden gezielt mitabgeklärt.
Fokussierte hochenergetische ESWT
Die fokussierte hochenergetische Stoßwellentherapie wird mit definierten Behandlungsparametern angewandt: Energiedichten im hochenergetischen Bereich (z. B. um 0,35 mJ/mm² in Anlehnung an etablierte Protokolle für andere Hand-Pseudarthrosen), Impulszahlen von ca. 2.000 pro Sitzung. Wir setzen die Stoßwellen sowohl palmar als auch dorsal über der Pseudarthrose ein, um den biologischen Reiz möglichst flächig zu setzen.
EMTT-Magnetfeldtherapie
Die Extrakorporale Magnetotransduktionstherapie ergänzt die Stoßwelle auf zellulärer Ebene und stimuliert die Knochenheilung über magnetotransduktive Effekte in den knochenstoffwechselrelevanten Zellpopulationen. Im Bildbeispiel des Knobloch-Papers wurde sie parallel zur ESWT eingesetzt.
Nachbehandlung und Verlaufskontrolle
Die behandelte Hand wird nicht vollständig ruhiggestellt; eine kontrollierte Belastungsreduktion in den ersten Wochen ist aber sinnvoll. Kontrollbildgebung – idealerweise CT oder 3D-Volumentomographie – nach sechs Wochen dokumentiert die knöcherne Konsolidierung. Bei ausbleibendem Erfolg wird die operative Versorgung in Kooperation mit spezialisierten Handchirurgen besprochen.
Wer besonders profitiert
Profitieren werden Patientinnen und Patienten mit dokumentierter Hamulus-Pseudarthrose ohne wesentliche Begleitkomplikationen (Nervus-ulnaris-Lähmung, Beugesehnenruptur), die eine nicht-operative Behandlungsoption suchen und für eine gut geplante regenerative Therapieserie offen sind. Auch im Vorfeld einer geplanten Operation – als Versuch der biologischen Heilung – kann der regenerative Pfad indiziert sein.
Eine größere Einordnung zur ESWT in der Handchirurgie – mit Bezügen zu Karpaltunnelsyndrom, Kahnbeinpseudarthrose, Rhizarthrose, schnellender Finger, Morbus de Quervain und Morbus Dupuytren – finden Sie in unserem Pillar-Artikel zur ESWT in der Handchirurgie.
Praxis in Perchtoldsdorf
Die SportPraxis Austria liegt in der Alfred-Merz-Gasse 9 in 2380 Perchtoldsdorf, ca. 200 m von der S-Bahn-Station entfernt. Aus Wien, Mödling und dem Bezirk erreichen Sie uns innerhalb weniger Minuten. Mehr zu Person und Schwerpunkten unter Vita, Anfahrt unter Standort & Kontakt.
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Wenn Sie Ihre Hamulus-Pseudarthrose regenerativ abklären lassen möchten, vereinbaren Sie Ihren Termin bei Prof. Dr. Karsten Knobloch direkt online:
Häufige Fragen zur Hamulus-Pseudarthrose
Warum heilt eine Hamulus-Fraktur so oft nicht aus? Die Hamulus-Region ist anatomisch hoch belastet und durchblutungsphysiologisch ungünstig. Bei verzögerter Initialdiagnose oder anhaltender mechanischer Belastung entwickelt sich häufig eine Pseudarthrose, die ohne gezielten Heilungsreiz nicht konsolidiert.
Wie hoch ist die Erfolgsrate der ESWT plus EMTT? Die Datenlage stützt sich auf Fallberichte und kleinere Serien. Dokumentiert sind klinisch deutliche Verbesserungen und knöcherne Konsolidierungen innerhalb von etwa sechs Wochen, wenn das Behandlungsprotokoll konsequent angewandt wird. Eine 100-prozentige Heilung kann nicht garantiert werden – im Misserfolg ist die Operation der nächste Schritt.
Brauche ich nach der ESWT eine Schiene? Nicht zwingend, eine kurzfristige Belastungsreduktion oder eine flexible Orthese kann aber sinnvoll sein. Wir besprechen das individuell.
Was, wenn der Nervus ulnaris beteiligt ist? Bei klinischer oder elektroneurographisch dokumentierter Nervus-ulnaris-Reizung im Bereich der Loge de Guyon ist eine besonders sorgfältige Indikationsstellung erforderlich. In diesen Fällen kann die operative Versorgung der primäre Weg sein – wir entscheiden gemeinsam mit handchirurgischer Mitexpertise.

