Die Achillessehne ist die stärkste Sehne im menschlichen Körper. Sie verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt bei jedem Schritt, jedem Sprung und jedem Abrollvorgang enorme Kräfte. Genau diese außergewöhnliche Belastung macht sie anfällig – und erklärt, warum Schmerzen an der Achillessehne zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden überhaupt zählen. Ob Freizeitsportler, Leistungsathlet oder Büromensch, der täglich viele Stunden auf den Beinen ist: Eine Achillessehnentendinopathie kann jeden treffen, und sie kündigt sich oft schleichend an, bevor sie zur ernsthaften Einschränkung wird.
Dieser Beitrag erklärt, wie eine Tendinopathie der Achillessehne entsteht, woran man sie erkennt und – entscheidend – was man dagegen tun kann.
Was ist eine Tendinopathie der Achillessehne?
Der Begriff Tendinopathie bezeichnet eine krankhafte Veränderung im Sehnengewebe, die durch chronische Überlastung entsteht. Er hat in der medizinischen Fachsprache weitgehend den älteren Begriff „Tendinitis“ abgelöst, weil neuere Forschungsergebnisse gezeigt haben, dass es sich bei den meisten chronischen Sehnenbeschwerden nicht primär um eine klassische Entzündung handelt, sondern um degenerative Gewebeveränderungen – also um einen Abbau der normalen Sehnenstruktur auf zellulärer Ebene.
Bei einer Tendinopathie der Achillessehne verlieren die feinen Kollagenfasern, aus denen die Sehne aufgebaut ist, ihre geordnete parallele Ausrichtung. Das Gewebe wird unregelmäßiger, verdicht sich an manchen Stellen und verliert gleichzeitig an Belastbarkeit. Dieser Prozess ist meist schmerzlos, bis eine bestimmte Schwelle überschritten wird – und dann setzen die Beschwerden oft plötzlich und intensiv ein, obwohl die Veränderungen im Gewebe schon lange zuvor begonnen haben.
Mittelportion und Insertionstendinopathie: zwei verschiedene Erkrankungen
Schmerzen an der Achillessehne sind nicht gleich Schmerzen an der Achillessehne. Es ist wichtig zu unterscheiden, wo genau die Beschwerden lokalisiert sind, weil das sowohl die Ursache als auch die optimale Behandlung beeinflusst.
Bei der Tendinopathie der Mittelportion liegt die Schädigung im mittleren Abschnitt der Sehne, etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeins. Dieser Bereich ist besonders schlecht durchblutet und deshalb anfällig für degenerative Veränderungen. Typisch ist hier eine tastbare Verdickung der Sehne, die auf Druck schmerzt und bei Belastung brennt oder zieht.
Die Insertionstendinopathie hingegen betrifft den Ansatzpunkt der Achillessehne direkt am Fersenbein. Hier konzentriert sich bei jedem Schritt die gesamte Zugkraft der Wadenmuskulatur auf eine kleine Fläche. Chronische Überlastung führt auch an diesem Punkt zu Gewebeveränderungen, Kalkeinlagerungen und knöchernen Reaktionen – in manchen Fällen entsteht dabei der sogenannte dorsale Fersensporn, ein knöcherner Fortsatz an der Rückseite des Fersenbeins. Die Insertionstendinopathie ist in der Behandlung oft anspruchsvoller als die Midportion-Tendinopathie, weil der Ansatzpunkt mechanisch so ungünstig liegt und sich mit Dehnungsübungen allein kaum beeinflussen lässt.
Wie entstehen Schmerzen an der Achillessehne?
Achillessehnenbeschwerden entwickeln sich selten über Nacht. In den meisten Fällen ist es eine Kombination aus zu viel Belastung, zu wenig Regeneration und begünstigenden körperlichen Faktoren, die das Gewebe schließlich überfordert.
Sportler, die ihr Trainingspensum zu rasch steigern, laufen besonders häufig in diese Falle. Die Muskulatur passt sich schnell an neue Belastungsreize an – das Sehnengewebe hingegen braucht deutlich länger, um sich zu regenerieren und zu kräftigen. Wenn die Belastung schneller zunimmt als die Anpassungsfähigkeit der Sehne, entstehen Mikroverletzungen, die sich über Zeit anhäufen.
Aber auch Menschen, die wenig Sport treiben, sind nicht vor Achillessehnenproblemen geschützt. Langes Stehen auf hartem Untergrund, das Tragen von ungeeignetem Schuhwerk – besonders flache Schuhe ohne ausreichende Fersenerhöhung – und eine verkürzte oder ungleichmäßig kräftige Wadenmuskulatur können die Sehne dauerhaft überlasten. Beinachsenfehlstellungen wie ein ausgeprägter Knick-Senkfuß verändern die Zugrichtung der Sehne und erhöhen die mechanische Beanspruchung zusätzlich. Auch hormonelle Faktoren und bestimmte Medikamente, darunter Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone, können die Sehnenstruktur schwächen und das Risiko einer Tendinopathie erhöhen.
Was tun bei Schmerzen an der Achillessehne?
Die wichtigste Antwort auf diese Frage lautet: nicht abwarten und hoffen, dass die Beschwerden von selbst vergehen. Das tun sie in aller Regel nicht – zumindest nicht dauerhaft und nicht, wenn die auslösenden Faktoren unverändert bleiben. Eine frühzeitige orthopädische Abklärung ist der entscheidende erste Schritt, weil sie zeigt, wo genau die Sehne betroffen ist, wie weit die Gewebeveränderungen fortgeschritten sind und welche Behandlung am vielversprechendsten ist.
Grundsätzlich gibt es eine Reihe bewährter Maßnahmen, die je nach Schweregrad der Erkrankung einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.
Belastungssteuerung und exzentrisches Training
Die Sehne braucht einerseits Entlastung von übermäßigem Stress, andererseits aber keinesfalls vollständige Schonung. Sehnengewebe regeneriert sich nur dann, wenn es angemessen mechanisch gereizt wird. Das exzentrische Krafttraining – also Übungen, bei denen die Wadenmuskulatur unter Dehnung arbeitet – hat sich als eine der wirksamsten konservativen Maßnahmen bei Achillessehnentendinopathie erwiesen. Es verbessert die Sehnenstruktur, stärkt die umgebende Muskulatur und hilft dem Gewebe, sich an die Belastung anzupassen.
Stoßwellentherapie bei der Achillessehne
Besonders bei chronischen Verläufen, bei denen exzentrisches Training und andere konservative Maßnahmen nicht ausreichend gewirkt haben, ist die Stoßwellentherapie ein zentraler Baustein der Behandlung. Hochenergetische Schallwellen werden gezielt auf den erkrankten Sehnenabschnitt gerichtet und lösen dort eine biologische Heilungsreaktion aus, die das Gewebe aus seinem Degenerationszustand herausholt. Mehrere gut belegte Studien bestätigen, dass die Stoßwellentherapie bei Achillessehnentendinopathie in einem hohen Prozentsatz der Fälle zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit führt.
Orthopädische Hilfsmittel
Eine Fersenerhöhung im Schuh reduziert die Zugspannung auf die Achillessehne und kann die Beschwerden im Alltag rasch lindern. Bei ausgeprägten Fußfehlstellungen sind individuell angepasste Einlagen sinnvoll, um die mechanische Belastung der Sehne langfristig zu normalisieren. Die Wahl des richtigen Schuhwerks spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle – vor allem für Läufer, die nach einer Achillessehnenerkrankung wieder ins Training einsteigen möchten.
Physiotherapie und Magnetfeldtherapie
Begleitend zur spezifischen Sehnentherapie empfiehlt sich eine gezielte physiotherapeutische Behandlung, die Beweglichkeit, Muskelbalance und Körperhaltung verbessert. Die Magnetfeldtherapie kann ergänzend eingesetzt werden, um die Zellerneuerung im Sehnengewebe auf biologischer Ebene zu unterstützen und den Regenerationsprozess zu beschleunigen. Mehr zur EMTT finden Sie hier.
Wann ist ein Arztbesuch dringend notwendig?
Leichte Anlaufschmerzen, die sich nach wenigen Minuten legen, können zunächst beobachtet werden. Aber sobald der Schmerz an der Achillessehne während der Belastung anhält, nachts auftritt, von einer sichtbaren oder tastbaren Schwellung begleitet wird oder sich trotz Schonung nicht bessert, sollte umgehend eine orthopädische Untersuchung stattfinden. Ein plötzlicher, stechender Schmerz, der mit einem hörbaren Knall einhergeht und das Gehen unmöglich macht, kann auf einen Achillessehnenriss hinweisen – ein medizinischer Notfall, der sofortige Behandlung erfordert.
In unserer orthopädischen Praxis in Perchtoldsdorf untersuchen wir Achillessehnenprobleme mit klinischer Sorgfalt und moderner Ultraschalldiagnostik, um ein klares Bild des Ausmaßes der Schädigung zu erhalten. Auf dieser Grundlage entwickeln wir einen individuellen Therapieplan, der auf Ihre Beschwerden, Ihre körperliche Ausgangssituation und Ihre persönlichen Ziele abgestimmt ist. Jetzt Termin online vereinbaren!

