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05/25/2026

Schulter-Impingement-Syndrom- Symptome erkennen, gezielt behandeln

Ein stechender Schmerz beim Heben des Arms über die Schulterhöhe, ein Drücken nachts beim Liegen auf der Seite, plötzliche Kraftlosigkeit beim Greifen nach oben — das Schulter-Impingement-Syndrom gehört zu den häufigsten orthopädischen Diagnosen überhaupt und betrifft besonders Menschen mit Überkopfaktivitäten in Beruf oder Sport.

Die gute Nachricht: Über 80 % aller Impingement-Beschwerden lassen sich ohne Operation gut behandeln, wenn Diagnose und Therapie früh und strukturiert erfolgen. Die weniger gute: Wer monatelang nur Schmerzmittel nimmt und auf „es wird schon“, riskiert eine Chronifizierung mit Sehnenrissen.

In diesem Beitrag erklären wir, wie ein Impingement entsteht, wie wir es in unserer sportorthopädischen Praxis diagnostizieren und welche modernen Therapieoptionen wir gezielt einsetzen.

Was ist ein Schulter-Impingement?

Beim Impingement-Syndrom (übersetzt „Einklemmungs-Syndrom“) werden Strukturen unter dem Schulterdach (Akromion) bei bestimmten Bewegungen eingequetscht — vor allem die Supraspinatus-Sehne und der subakromiale Schleimbeutel. Dauerhaftes Einklemmen führt zu Reizung, Entzündung und langfristig zu Sehnenschäden.

Welche Formen des Impingement gibt es?

Subakromiales Impingement (Outlet-Impingement)

Die häufigste Form. Mechanische Enge zwischen Akromion und Humeruskopf, oft begünstigt durch Akromionsporn, AC-Gelenks-Arthrose oder eine bestimmte Schulterdachform (Bigliani Typ III).

Funktionelles Impingement (Non-Outlet-Impingement)

Keine knöcherne Enge, sondern eine fehlgesteuerte Schulterführung — meist durch Muskel-Ungleichgewicht und Skapula-Dyskinesie. Bei Sportlern und Büroarbeitern besonders häufig.

Internes Impingement

Vor allem bei Wurfsportlern: posterosuperiore Einklemmung der Supraspinatus-Sehne beim Maximalwurf. Diagnose erfordert oft MRT mit Kontrastmittel.

Typische Symptome — der Painful Arc

  • Schmerz beim aktiven Anheben des Arms zwischen 60° und 120° („Painful Arc“)
  • Nachtschmerz, besonders beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Schmerz beim Greifen nach hinten (BH-Schließen, Gesäßtasche)
  • Kraftverlust beim Anheben des Arms gegen Widerstand
  • In chronischen Fällen: ständiger dumpfer Schmerz, Bewegungseinschränkung

Ursachen und Risikofaktoren

  • Überkopf-Sportarten (Schwimmen, Volleyball, Handball, Tennis-Aufschlag)
  • Beruflich häufige Überkopfarbeit (Maler, Elektriker, Friseure)
  • Bewegungsarmer Alltag mit vorgeneigten Schultern
  • Anatomische Varianten (gekrümmtes Akromion)
  • Vorausgegangene Schulterverletzungen
  • Alter über 40 (Sehnenelastizität nimmt ab)

Diagnose: klinisch + bildgebend

  1. Anamnese und Bewegungstests (Neer-Test, Hawkins-Kennedy, Jobe-Test)
  2. Untersuchung der Skapula-Stellung und -Beweglichkeit
  3. Hochauflösender Ultraschall: dynamische Beurteilung der Sehnen und des Subakromialraums
  4. Röntgen bei Verdacht auf knöcherne Ursachen
  5. MRT bei Verdacht auf Sehnenriss oder vor OP-Planung

Konservative Therapie

Akutphase (0 bis 4 Wochen)

  • Belastungspause für Überkopf-Sport
  • NSAR kurzfristig
  • Kryotherapie
  • Manuelle Mobilisation

Aufbauphase

  • Kräftigung der Rotatorenmanschette (Außenrotatoren!)
  • Skapula-Stabilisierung
  • Korrektur der Brustwirbelsäulen-Mobilität
  • Fokussierte Stoßwellentherapie bei Kalkschulter-Anteil
  • Subakromiale Injektionen (selten, gezielt)

Operation — wann ist sie sinnvoll?

Nach 3 bis 6 Monaten konsequenter konservativer Therapie ohne Besserung oder bei strukturellen Sehnenrissen kommen operative Verfahren infrage:

  • Arthroskopische subakromiale Dekompression (ASAD)
  • Rotatorenmanschetten-Naht bei Riss
  • Kalkdepot-Entfernung bei chronischer Kalkschulter

Übungen für die Schulter

Drei Übungen, die wir Patientinnen und Patienten regelmäßig empfehlen — bitte erst nach Rücksprache:

  1. Außenrotation mit Theraband: Ellenbogen 90° gebeugt am Körper, Unterarm gegen Bandwiderstand nach außen drehen. 3 × 15 pro Seite.
  2. Schulterblatt-Press (Scapular Retraction): Schulterblätter aktiv zusammenziehen und 5 Sekunden halten. 3 × 12 Wiederholungen.
  3. Wandstütz mit Plus: Liegestütz an der Wand, am Ende der Bewegung Schulterblätter zusätzlich nach vorne schieben (Serratus-Aktivierung). 3 × 12.

Häufig gestellte Fragen

Was darf man bei einem Schulter-Impingement nicht machen?

Vermeiden Sie in der akuten Phase Überkopfbewegungen, schwere Lasten mit gestrecktem Arm und Liegen auf der betroffenen Seite. Komplette Schonung ist allerdings nicht sinnvoll — geführte schmerzfreie Bewegung gehört zur Therapie.

Hilft Physiotherapie beim Impingement?

Ja — Physiotherapie ist der Goldstandard der konservativen Behandlung. Wichtig sind aber gezielte Kräftigung der Rotatorenmanschette und Skapula-Stabilisierung, nicht nur passive Mobilisation.

Welche Übungen helfen beim Impingement?

Außenrotationsübungen mit dem Theraband, Skapula-Retraktion und Serratus-Aktivierung sind die wirksamsten Basis-Übungen. Sie sollten Teil eines individuellen, vom Therapeuten überwachten Programms sein.

Wann muss ein Schulter-Impingement operiert werden?

Wenn nach 3 bis 6 Monaten gezielter konservativer Therapie keine relevante Besserung eintritt oder ein Sehnenriss vorliegt. Ohne strukturellen Schaden ist eine OP nur selten notwendig.

Kann ein Impingement-Syndrom von selbst weggehen?

Leichte funktionelle Impingements können sich bei Belastungsreduktion und Haltungsverbesserung zurückbilden. Strukturelle und chronische Verläufe bessern sich ohne aktive Therapie aber kaum — eher droht eine Verschlechterung mit Sehnenrissen.

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