Ein diffuses Kribbeln an der Fußsohle, das nachts besonders deutlich wird und den Schlaf stört. Brennende Missempfindungen, die vom Innenknöchel bis in die Zehen ausstrahlen. Ein Taubheitsgefühl an der Fußsohle, das nach längerem Stehen oder Gehen deutlich wird. Bei manchen Betroffenen ein Schwächegefühl beim Abstoßen des Fußes. Für viele Patientinnen und Patienten aus Perchtoldsdorf, Mödling und Wien sind diese Symptome zunächst schwer einzuordnen. Häufig wird an einen Bandscheibenvorfall oder an eine periphere Polyneuropathie gedacht. In einer relevanten Zahl von Fällen liegt jedoch ein Tarsaltunnelsyndrom vor, ein Kompressionssyndrom des Nervus tibialis am Innenknöchel, das gerade weil es selten sofort erkannt wird oft lange bestehen bleibt.
Was das Tarsaltunnelsyndrom anatomisch bedeutet
Der Tarsaltunnel ist eine anatomische Passage an der Innenseite des Sprunggelenks, gebildet aus dem Retinaculum flexorum, dem inneren Knöchel und dem Fersenbein. Durch diesen Tunnel verlaufen der Nervus tibialis, die Arteria tibialis posterior sowie mehrere Sehnen. Der Nervus tibialis teilt sich im Tarsaltunnel oder unmittelbar danach in den Nervus plantaris medialis und den Nervus plantaris lateralis auf, die zusammen die sensible und motorische Versorgung der Fußsohle übernehmen.
Kommt es im Tarsaltunnel zu einer Kompression des Nervus tibialis, entstehen die typischen Beschwerden. Anatomisch ist das die Fußversion des Karpaltunnelsyndroms an der Hand. Der Nerv liegt eng in einer knöchern-bindegewebigen Passage, und jede Volumenzunahme innerhalb dieses Tunnels führt zu einem Druckanstieg mit Nervenreizung.
Ursachen und Auslöser
Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Strukturelle Faktoren umfassen posttraumatische Vernarbungen nach Sprunggelenksverletzungen, knöcherne Randanbauten bei fortgeschrittenen Fußfehlstellungen, Ganglien im Tarsaltunnel, akzessorische Muskeln, Varizen der Arteria tibialis posterior und in seltenen Fällen Raumforderungen wie Lipome oder Neurinome. Dynamische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, insbesondere bei Menschen mit ausgeprägtem Senkfuß, bei denen der Innenknöchel und damit der Tarsaltunnel biomechanisch chronisch belastet werden.
Systemische Faktoren wie Diabetes mellitus mit peripherer Neuropathie, Hypothyreose mit Weichteilödem, Amyloidose und rheumatische Erkrankungen können das Tarsaltunnelsyndrom begünstigen. Auch Schwangerschaft mit vorübergehender Flüssigkeitsansammlung kann eine relevante Kompression verursachen.
Klinische Präsentation
Die typischen Beschwerden umfassen Kribbelparästhesien an der Fußsohle und im Bereich der Zehen, Brennschmerzen im gleichen Bereich, Taubheitsgefühl in Teilbereichen der Fußsohle, nächtliche Verschlechterung, Belastungsabhängigkeit mit Verstärkung nach längerem Stehen oder Gehen und in fortgeschrittenen Fällen ein subjektives Schwächegefühl beim Abstoßen. Die Beschwerden können auf einen Fuß beschränkt sein oder beidseits auftreten.
Klinisch wichtig ist die Reproduzierbarkeit der Beschwerden durch spezifische Untersuchungstechniken. Der Hoffmann-Tinel-Test durch Beklopfen des Nervs am Innenknöchel provoziert bei positivem Befund die typischen Missempfindungen. Ein Dorsalextensions- und Eversions-Stresstest hält den Fuß in einer Position, die den Nervus tibialis mechanisch beansprucht und die Symptomatik provozieren kann. Auch die palpatorische Suche nach umschriebenen druckempfindlichen Punkten entlang des Nervenverlaufs ist hilfreich.
Differentialdiagnose
Das Tarsaltunnelsyndrom muss gegen mehrere andere Ursachen ähnlicher Beschwerden abgegrenzt werden. Die periphere Polyneuropathie, insbesondere bei Diabetes mellitus, zeigt meist beidseitige symmetrische Beschwerden ohne klare Provokation durch Kompression am Tarsaltunnel. Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Wurzelkompression S1 kann in die Fußsohle ausstrahlen, weist aber meist zusätzliche Beschwerden im Bein und im Gesäßbereich auf. Die Morton-Neuralgie an den Zehengrundgelenken verursacht lokalisierten Schmerz im Vorfuß mit typischer punktueller Auslösung. Auch die Plantarfasziitis mit lokalisiertem Fersenschmerz muss differenziert werden. Bei unklaren Verläufen ergänzen wir die elektrophysiologische Diagnostik über Neurographie und EMG, die eine Nervenschädigung objektivieren und lokalisieren kann.
Warum die Beschwerden oft lange bestehen bleiben
Die Diagnose Tarsaltunnelsyndrom wird häufig verzögert gestellt. Zum einen sind die Beschwerden diffus und werden zunächst anderen Ursachen zugeordnet. Zum anderen ist die klinische Untersuchung mit den spezifischen Provokationstests im hausärztlichen Alltag nicht Routine. Bildgebende und elektrophysiologische Verfahren werden oft erst spät veranlasst. Und schließlich sind konservative Therapieversuche mit unspezifischer Neuropathie-Medikation häufig frustran, weil die zugrunde liegende Kompression nicht adressiert wird.
Der regenerative Therapiepfad an der SportPraxis Austria
Präzise Diagnostik
Wir beginnen mit einer strukturierten Anamnese, führen die spezifischen klinischen Provokationstests durch und ergänzen den hochauflösenden Ultraschall am Tarsaltunnel. Der Ultraschall stellt den Nervus tibialis dar, misst seinen Querschnitt an mehreren Höhen und zeigt raumfordernde Strukturen wie Ganglien, Varizen oder akzessorische Muskeln. Bei relevanten Befunden ergänzen wir MRT und veranlassen bei klinischem Verdacht auf neurographische Auffälligkeiten die elektrophysiologische Diagnostik. Ziel ist die klare Zuordnung, ob die Beschwerden tatsächlich auf eine Kompression im Tarsaltunnel zurückgehen oder ob eine andere Ursache vorliegt.
Ursachenspezifische Behandlung
Wenn eine strukturelle Ursache wie ein Ganglion oder eine ausgeprägte Fußfehlstellung besteht, richtet sich die Behandlung primär auf diese Grundursache. Bei begleitendem Senkfuß mit chronischer Innenknöchel-Belastung sind sensomotorische Einlagen und Fußmuskelaktivierung ein wesentlicher Baustein.
Fokussierte Stoßwellentherapie am Tarsaltunnel
Für das Tarsaltunnelsyndrom ohne eindeutige operationsbedürftige strukturelle Ursache ist die fokussierte Stoßwellentherapie eine bewährte regenerative Option. Analog zum Karpaltunnelsyndrom liegen zunehmend Studien vor, die positive Effekte auf Schmerzintensität und Funktion zeigen. Die Stoßwelle wird gezielt am Tarsaltunnelbereich mit angepassten Parametern eingesetzt, moduliert entzündliche Reizzustände am Nerv und verbessert die lokale Mikrozirkulation. Eine Behandlungsserie umfasst typischerweise drei bis fünf Sitzungen im Wochenabstand. Details zur regionalen Anwendung unter Innovative Stoßwellentherapie in Wien.
Extrakorporale Magnetotransduktionstherapie (EMTT)
Die EMTT erlaubt die berührungslose Behandlung auch von Nervenstörungen des Fuss wie dem Tarsaltunnelsyndrom. Sie ergänzt die ESWT auf kongeniale Weise. Für gewöhnlich sind 3-6 Sitzungen im Abstand von 1-2 Wochen angezeigt. Die klinischen Ergebnisse sind nach 12 Wochen zu erwarten, da der Nerv eine verzögerte Regeneration zeigt.
Lasertherapie LLLT als ergänzende Modalität
Die Lasertherapie LLLT kann bei sensibilisierten Neuropathiebildern eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie moduliert entzündliche Prozesse auf zellulärer Ebene, ist schmerzfrei und lässt sich gut in Serien anwenden.
Funktionelle Therapie und Belastungsanpassung
Die funktionelle Therapie umfasst Fußmuskelaktivierung, Verbesserung der Fußgewölbe-Situation, Anpassung des Schuhwerks und Reduktion belastungsauslösender Aktivitäten. Bei diabetischen Patientinnen und Patienten ist die Optimierung der Stoffwechsellage ein wichtiger Faktor.
Wer besonders profitiert
Vom regenerativen Ansatz profitieren Patientinnen und Patienten mit klinisch und sonographisch bestätigtem Tarsaltunnelsyndrom ohne dringende Operationsindikation, Menschen mit begleitendem Senkfuß und chronischer Innenknöchel-Belastung, Personen mit posttraumatischer Symptomatik nach Sprunggelenksverletzung und alle, die eine strukturierte Alternative zur reinen Neuropathie-Medikation suchen.
Wann eine Operation der richtige Weg wird
Bei nachgewiesener raumfordernder Ursache wie Ganglion, Varizen oder Tumor, bei ausgeprägten neurologischen Ausfällen mit deutlichem sensiblen oder motorischen Defizit, bei therapieresistenten Verläufen trotz konsequenter konservativer und regenerativer Behandlung und bei elektrophysiologisch dokumentierter progredienter Nervenschädigung ist die operative Dekompression des Tarsaltunnels der richtige Weg. Wir besprechen die Indikation offen und leiten bei Bedarf an spezialisierte Fußchirurgen oder Neurochirurgen weiter.
Wann Sie nicht warten sollten
Sofortige Abklärung ist nötig bei rasch zunehmenden neurologischen Ausfällen, bei ausgeprägtem motorischen Kraftverlust am Fuß, bei akut aufgetretenen sehr starken Schmerzen ohne klaren Auslöser, bei neu aufgetretener Rötung, Überwärmung und Schwellung im Bereich des Innenknöchels und bei begleitenden Wunden oder Zeichen einer Infektion.
Praxis in Perchtoldsdorf, gut erreichbar aus Wien
Die SportPraxis Austria in der Alfred-Merz-Gasse 9 in 2380 Perchtoldsdorf ist rund 200 m von der S-Bahn-Station entfernt und aus Wien-Liesing, Meidling, Mödling, Brunn am Gebirge, Wiener Neudorf und Breitenfurt in wenigen Minuten erreichbar. Mehr zu Prof. Dr. Karsten Knobloch unter Vita, Adresse und Öffnungszeiten unter Standort und Kontakt.
Termin online vereinbaren
Wenn Sie den Verdacht auf ein Tarsaltunnelsyndrom haben oder wenn nächtliche Fußbeschwerden unklarer Genese Ihren Alltag belasten, vereinbaren Sie Ihren Termin bei Prof. Dr. Karsten Knobloch direkt online:
Häufige Fragen zum Tarsaltunnelsyndrom
Wie unterscheide ich ein Tarsaltunnelsyndrom von einer Polyneuropathie?
Ein Tarsaltunnelsyndrom ist meist einseitig oder deutlich seitenbetont, gut lokalisierbar an der Fußsohle und durch spezifische Provokation am Innenknöchel reproduzierbar. Eine Polyneuropathie zeigt typischerweise beidseitige symmetrische Beschwerden mit sockenförmiger Verteilung. Die klinische Untersuchung und ergänzende Diagnostik klären die Zuordnung.
Wie viele Stoßwellensitzungen sind bei Tarsaltunnelsyndrom typisch?
Drei bis fünf Sitzungen im Wochenabstand mit angepassten Parametern am Tarsaltunnelbereich. Erste spürbare Verbesserungen zeigen sich häufig ab der zweiten bis dritten Sitzung.
Muss ich unbedingt ein MRT machen lassen?
Nicht immer. Bei klarer klinischer Symptomatik und sonographischer Bestätigung ohne Hinweise auf raumfordernde Strukturen kann auf ein MRT verzichtet werden. Bei atypischen Verläufen, bei Verdacht auf Ganglion, Tumor oder posttraumatische Vernarbungen und vor operativen Eingriffen ist die MRT-Diagnostik wichtig.
Wann ist die Operation nötig?
Bei struktureller raumfordernder Ursache, bei fortschreitendem sensiblem oder motorischem Defizit, bei erfolglosem konservativem und regenerativem Behandlungsversuch über mehrere Monate und bei elektrophysiologisch dokumentierter zunehmender Nervenschädigung. Wir besprechen den Zeitpunkt offen und leiten die Weiterversorgung an spezialisierte Chirurgen.

