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05/18/2026

Tennisarm (Epicondylitis lateralis)- Ursachen, moderne Therapie und Übungen für die Heilung

Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens beim Händedruck, beim Heben einer Kaffeetasse oder bei stundenlanger Computerarbeit — der Tennisarm hat oft erstaunlich wenig mit Tennis zu tun. In Wirklichkeit ist die laterale Epicondylitis eine Überlastungsreaktion der Strecksehnen am Ellenbogen, die deutlich häufiger Büroangestellte und Handwerker als Tennisspielerinnen trifft.

In unserer Praxis sehen wir wöchentlich Patientinnen und Patienten mit chronisch gewordenen Tennisarm-Beschwerden — oft erst, nachdem Salben, Schmerzmittel und Schonung über Monate nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Dabei lässt sich der Tennisarm bei früher und richtiger Therapie in über 90 % der Fälle ohne Operation behandeln.

Dieser Beitrag erklärt, warum die Sehne überhaupt schmerzt, welche modernen sportmedizinischen Behandlungsoptionen es heute gibt und welche drei Übungen Sie selbst sicher zuhause durchführen können.

Was ist ein Tennisarm und wer ist betroffen?

Der Begriff „Tennisarm“ beschreibt eine schmerzhafte Reizung der gemeinsamen Strecksehne am äußeren Knochenvorsprung des Oberarmknochens (Epicondylus lateralis humeri). Medizinisch korrekt sprechen wir von einer Epicondylopathie oder Epicondylitis lateralis humeri.

Etwa 1–3 % der Bevölkerung sind im Laufe des Lebens betroffen, der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 35 und 55 Jahren. Auslösende Tätigkeiten:

  • Repetitive Greifbewegungen (Maus, Handwerk, Musikinstrumente)
  • Sportarten mit Schlägerführung (Tennis, Squash, Padel)
  • Klettersport und Krafttraining mit hoher Griffbelastung
  • Heben und Tragen mit gestrecktem Arm

Ursachen — wenn die Sehne überlastet wird

Im Zentrum steht ein chronischer Mikro-Umbau der Sehne (Tendinose), nicht eine klassische Entzündung. Auslöser ist meist eine Mischung aus:

  • Repetitiver Mikro-Belastung über Wochen bis Monate
  • Ungewohnt hoher oder neuartiger Belastung (neuer Sport, neues Werkzeug)
  • Verkürzter oder schwacher Unterarmmuskulatur
  • Fehlbelastung (z. B. falsche Schlagtechnik, schlecht abgestimmter Schreibtischarbeitsplatz)
  • Altersbedingter Abnahme der Sehnenelastizität

Symptome und Verlauf

  • Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens
  • Schmerz beim Händedruck, beim Heben oder Drehen mit gestrecktem Arm
  • Schwäche beim Greifen — die Kaffeetasse fühlt sich „zu schwer“ an
  • Schmerzen, die nach einer Belastung beginnen und immer früher in der Bewegung auftreten
  • Im chronischen Stadium: anhaltender Schmerz auch in Ruhe oder nachts

Wichtig: Der Tennisarm zeigt oft eine Tendenz zur Chronifizierung. Wer in den ersten Wochen nicht gezielt behandelt, riskiert einen Verlauf von 12 bis 24 Monaten.

Diagnose in unserer Praxis

  1. Anamnese: Belastungsprofil, Sportart, Beruf
  2. Klinische Tests: Cozen-Test, Mill-Test, Maudsley-Test
  3. Hochauflösender Ultraschall: Sehnenstruktur, Verkalkungen, Neovaskularisation
  4. Ausschluss-Diagnostik: Halswirbelsäule, N. radialis, Bizepssehne
  5. Bei chronischem Verlauf optional MRT

Konservative Behandlung — moderne Optionen

Wir setzen auf einen mehrstufigen, evidenzbasierten Ansatz statt auf einzelne Spritzen oder „Nur-Ruhigstellung“:

  • Belastungsmodifikation — gezielte Reduktion auslösender Bewegungen, ohne komplette Schonung
  • Exzentrisches Training — langsam-bremsende Übungen für die Streckermuskulatur, dreimal täglich
  • Fokussierte Stoßwellentherapie — mehrfach beleg, Erfolgsraten 65–75 %
  • Magnetfeldtherapie EMTT
  • Low Level Lasertherapie LLLT
  • Manualtherapie und Faszientechniken — vor allem an Halswirbelsäule und Schulter, weil Fehlhaltungen oft mit beteiligt sind
  • Epicondylitis-Spange — als Kurzzeit-Hilfe bei Alltagsbelastung, nicht als Dauerlösung

Eine 8- bis 12-wöchige strukturierte Therapie führt bei rund 90 % der Patientinnen und Patienten zu deutlicher Beschwerdebesserung.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine OP kommt erst nach mindestens 6 Monaten konsequenter konservativer Therapie und persistierenden Beschwerden infrage. Verfahren:

  • Offene Sehnenrevision nach Hohmann oder Wilhelm
  • Arthroskopische Revision mit Debridement
  • Selektive Denervation bei chronischer Neuropathie-Beteiligung

Die Erfolgsrate liegt bei rund 80 %, die Rückkehr in den vollen Sport benötigt 3 bis 6 Monate.

Drei Übungen für die Heilung

Diese drei Übungen sind Teil unseres Reha-Protokolls. Bitte erst nach ärztlicher Abklärung beginnen:

  1. Exzentrische Handgelenk-Extension mit Hantel (1 kg): Hand mit Hantel auf Tischkante, Handfläche nach unten. Mit der anderen Hand zur Streckung helfen, dann mit der betroffenen Seite langsam (3 Sekunden) in die Beugung absenken. 3 × 15 Wiederholungen, zweimal täglich.
  2. Exzentrische Umwendung mit einem flexiblen Stab (FlexBar): bewährter Klassiker, drei Sätze à 15 Wiederholungen, zweimal täglich.
  3. Mobilisation der Halswirbelsäule und Schulter: 5 Minuten täglich Schulterkreisen, Brustwirbelsäulen-Rotation und Nackendehnung — entlastet die Sehne mittelbar.

Prävention — so verhindern Sie den Tennisarm

  • Belastung schrittweise steigern, neue Tätigkeiten langsam einführen
  • Ergonomischen Arbeitsplatz prüfen lassen (Schreibtischhöhe, Maus, Tastatur)
  • Beim Sport Technik kontrollieren lassen (Tennislehrer, Schläger-Tuning)
  • Regelmäßiges Krafttraining der Unterarmmuskulatur
  • Bei ersten Warnzeichen: 2 Wochen Belastung reduzieren, dann fortschreitend belasten

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Mit gezielter Therapie 6 bis 12 Wochen bis zur deutlichen Besserung. Ohne aktive Behandlung kann sich der Verlauf über 12 bis 24 Monate ziehen.

Hilft eine Cortison-Spritze beim Tennisarm?

Kurzfristig oft ja — in den ersten 2 bis 4 Wochen. Mittel- und langfristig zeigt die Studienlage allerdings, dass Cortison schlechtere Ergebnisse bringt als gar keine Behandlung oder konservatives Training. Wir setzen Cortison deshalb nur sehr selektiv ein.

Welche Sportarten sind beim Tennisarm erlaubt?

Ausdauersportarten ohne Greifbelastung (Laufen, Schwimmen — außer Kraulen mit intensivem Wasserzug, Radfahren mit aufrechter Sitzposition) sind in der Regel uneingeschränkt möglich. Pausieren sollten Sie alle Sportarten mit Schlägerführung, Klettern und Kraftraum-Griffübungen.

Wann sollte ich mit einem Tennisarm zum Arzt?

Spätestens wenn Schmerzen über mehr als 2 Wochen anhalten, an Intensität zunehmen oder das tägliche Greifen beeinträchtigt ist. Eine frühe sportmedizinische Abklärung verkürzt den Heilungsverlauf deutlich.

Kann ein Tennisarm wiederkommen?

Ja — vor allem wenn die ursprüngliche Belastung unverändert weitergeht. Der Schlüssel zur Prävention ist die ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes oder der Sporttechnik plus regelmäßiges Unterarmtraining.

Sportmedizinischer Termin in unserer Praxis in Perchtoldsdorf

Sie haben seit Wochen Schmerzen am Ellenbogen und Salben oder Schonung haben nicht geholfen? Lassen Sie die Sehne fachärztlich untersuchen — je früher die richtige Therapie startet, desto kürzer der Verlauf. Vereinbaren Sie unkompliziert einen Termin in unserer Praxis — wir untersuchen Sie klinisch und per Ultraschall und stellen einen individuellen Therapieplan für Sie zusammen.

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